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Warmgewalztes und kaltgewalztes Blech -
technologische Unterschiede und Auswahlkriterien

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Der Unterschied zwischen warmgewalztem und kaltgewalztem Blech beschränkt sich nicht auf die Prozesstemperatur. Er wirkt sich auf die Maßtoleranz, die Oberflächenqualität, das Verhalten beim Tiefziehen und den Preis aus. Bei einer Dicke von 2 mm beträgt die Toleranz eines kaltgewalzten Erzeugnisses ±0,10 mm, die eines warmgewalzten ±0,17 mm, also rund 40 Prozent mehr. Die Preisdifferenz zwischen warmgewalztem und kaltgewalztem Blech lag in Europa im September 2026 bei etwa 130 EUR pro Tonne. Die Frage lautet daher nicht, welches besser ist, sondern wo sich die zusätzlichen Verarbeitungskosten tatsächlich auszahlen.

Zwei technologische Wege

Das Warmwalzen erfolgt oberhalb der Rekristallisationstemperatur des Stahls, in einem Bereich von etwa 800-1200 Grad Celsius, mit den Fertigstichen im unteren Teil dieses Bereichs. Der Werkstoff verformt sich plastisch ohne Verfestigung, da sich das Gefüge laufend neu bildet. Das Ergebnis ist ein Erzeugnis mit guter Umformbarkeit, jedoch mit einer von Walzzunder bedeckten Oberfläche und einer relativ großen Maßstreuung, die aus dem Verhalten von Werkstoff und Walzen bei hoher Temperatur resultiert.

Das Kaltwalzen wird bei Umgebungstemperatur durchgeführt, unterhalb der Rekristallisationstemperatur. Der Werkstoff wird kaltverfestigt: Härte und Festigkeit steigen, die Umformbarkeit sinkt. Vor dem Kaltwalzen muss das Band in einem Schwefelsäurebad mit einer Konzentration von etwa 20 Prozent und einer Temperatur nahe 100 Grad gebeizt werden, um den Zunder zu entfernen. Nach dem Walzen wird der Werkstoff rekristallisierend geglüht, was das Korngefüge neu bildet und die Umformbarkeit wiederherstellt, und anschließend nachgewalzt (dressiert), was die endgültige Ebenheit und Oberflächencharakteristik ergibt.

Jeder dieser Schritte kostet Geld und jeder bringt eine bestimmte Eigenschaft. Das Beizen liefert eine saubere Oberfläche, das Kaltwalzen Maßgenauigkeit, das Glühen Umformbarkeit, das Dressieren Oberflächenqualität und Formstabilität.

Dickenbereiche und Normen

Erzeugnisgruppe Normen Typischer Dickenbereich
warmgewalzt, Baustahl EN 10025-2, Toleranzen EN 10051 ab etwa 1,5 mm
warmgewalzt zum Kaltumformen EN 10111, Toleranzen EN 10051 1,5-16 mm walzroh, bis etwa 12-13 mm gebeizt
kaltgewalzt zum Kaltumformen EN 10130, Toleranzen EN 10131 0,3-3,0 mm
schmelztauchveredelt auf kaltgewalztem Grundwerkstoff EN 10346, Toleranzen EN 10143 0,35-3,0 mm

Die Bereiche überschneiden sich etwa zwischen 1,5 und 3,0 mm, und genau dort besteht eine echte Wahl. Unter 1,5 mm bleibt praktisch nur kaltgewalzter Werkstoff, über 3 mm warmgewalzter.

Toleranzen und Geometrie

Der Vergleich bei gleicher Nenndicke und einer Breite bis 1200 mm, für Werkstoff mit einer Streckgrenze unter 260 MPa, sieht wie folgt aus.

Nenndicke Warmgewalztes Erzeugnis Kaltgewalztes Erzeugnis
1,0 mm außerhalb des typischen Bereichs ±0,05 mm
2,0 mm ±0,17 mm ±0,10 mm
3,0 mm ±0,20 mm ±0,15 mm
5,0 mm ±0,24 mm außerhalb des Bereichs

Der Unterschied betrifft nicht nur die Dicke. Ein kaltgewalztes Erzeugnis hat eine bessere Ebenheit und eine gleichmäßigere Kantengeometrie, was bei der Zuführung in eine automatisierte Linie wichtiger sein kann als die Dickentoleranz selbst. Die Oberfläche nach dem Kaltwalzen ist glatt und gleichmäßig und ohne zusätzliche Vorbereitung lackierfähig.

Umformgüten

Beide Erzeugnisgruppen haben eigene Skalen der Umformbarkeit. Bei kaltgewalzten Erzeugnissen sind dies die Güten DC01 bis DC06 nach EN 10130, bei warmgewalzten DD11 bis DD14 nach EN 10111. Je höher die Nummer, desto geringer die Festigkeitsanforderungen und desto größer das Umformvermögen.

Güte Norm Re [MPa] Rm [MPa] A80 min [%]
DC01 EN 10130 140-280 (Dicke 0,7-3 mm) 270-410 28
DC03 EN 10130 140-240 (0,7-2 mm) 270-370 34
DC04 EN 10130 140-210 (0,7-2 mm) 270-350 38
DC05 EN 10130 140-180 (0,7-2 mm) 270-330 40
DC06 EN 10130 120-170 (0,7-2 mm) 270-330 41
DD11 EN 10111 170-360 bis 440 23-31 je nach Dicke
DD12 EN 10111 170-340 bis 420 wie oben
DD13 EN 10111 170-330 bis 400 wie oben
DD14 EN 10111 170-310 bis 380 wie oben

Bei kaltgewalzten Erzeugnissen dienen zur Beurteilung der Tiefziehfähigkeit zusätzlich zwei Kennwerte: r90, der die plastische Anisotropie beschreibt, und n90, der die Verfestigung beschreibt. Für DC04 in der Dicke 0,7-2 mm beträgt r90 mindestens 1,4-1,6 je nach Dicke und n90 mindestens 0,180. Für DC06 sind es entsprechend mindestens 1,9-2,1 und 0,220. Je höher die Werte, desto tiefere Ziehteile ohne Risse und ohne übermäßige Wandausdünnung.

Die Bestellung einer höheren Güte als erforderlich hat ihren Preis und schränkt die Verfügbarkeit ein. Die Bestellung einer zu niedrigen Güte führt zu Ausschuss in der Fertigung. Die Auswahl sollte sich aus der tatsächlichen Geometrie des Teils ergeben, nicht aus einer Sicherheitsreserve.

Walzzunder und gebeiztes Blech

Warmgewalztes Blech im walzrohen Zustand hat eine von Walzzunder bedeckte Oberfläche. Diese ist in geschweißten Konstruktionen, die nach dem Strahlen lackiert werden, akzeptabel, stört aber überall dort, wo Schweißnahtqualität, Haftung der Beschichtung oder Sauberkeit der Werkzeuge zählen.

Eine Zwischenlösung ist gebeiztes und geöltes Blech, bei dem der Zunder in einem Säurebad entfernt und die Oberfläche mit einer Ölschicht geschützt wird. Es behält die Eigenschaften und den Dickenbereich eines warmgewalzten Erzeugnisses und hat zugleich eine für die Weiterverarbeitung vorbereitete Oberfläche. In der Praxis ist es die häufigste Wahl für kaltumgeformte Erzeugnisse aus Werkstoff mit mehr als 3 mm Dicke sowie für automatisch geschweißte Bauteile.

Die Preisdifferenz und ihre Begründung

Im September 2026 lagen die europäischen Notierungen für warmgewalztes Blech bei 790 EUR pro Tonne in Südeuropa und 770 EUR in Nordeuropa, für kaltgewalztes Blech entsprechend bei 920 und 890 EUR. Die Differenz von etwa 120-130 EUR pro Tonne entspricht den Kosten der zusätzlichen Arbeitsschritte: Beizen, Kaltwalzen, Glühen und Dressieren, zuzüglich des Masseverlusts im Prozess.

Aus Einkaufssicht zahlt sich diese Differenz aus, wenn sie zu weniger Verschnitt, kürzeren Rüstzeiten, dem Wegfall der Oberflächenvorbereitung oder der Möglichkeit führt, bei gleicher Funktion des Erzeugnisses dünneren Werkstoff einzusetzen. Tritt keiner dieser Effekte ein, erfüllt warmgewalzter oder gebeizter Werkstoff dieselbe Aufgabe günstiger.

Auswahlkriterien in der Fertigungspraxis

Dicke. Unter 1,5 mm läuft die Wahl auf ein kaltgewalztes Erzeugnis hinaus. Über 3 mm auf ein warmgewalztes, gegebenenfalls gebeiztes.

Geforderte Toleranz. Prozesse, die empfindlich auf Dickenschwankungen reagieren, etwa Widerstandsschweißen im automatischen Takt oder Präzisionsstanzen, sprechen für kaltgewalzten Werkstoff, bei hoher Empfindlichkeit für eingeschränkte Toleranzen.

Oberflächenqualität. Ohne zusätzliche Vorbereitung lackierte Erzeugnisse und Sichtteile erfordern eine kaltgewalzte Oberfläche. Verbaute und nach dem Strahlen lackierte Teile benötigen sie nicht.

Ziehtiefe. Sie bestimmt die Wahl der Güte innerhalb der Reihe DC oder DD und bei den anspruchsvollsten Formen in der Praxis die Wahl von kaltgewalztem Werkstoff.

Schweißen. Zunder verschlechtert die Bedingungen beim automatisierten Schweißen. Beim Handschweißen nach Reinigung der Kanten stellt er kein Problem dar.

Gesamtkosten. Entscheidend ist nicht der Tonnenpreis, sondern die Kosten des fertigen Teils einschließlich Verschnitt, vorbereitender Arbeitsschritte und Ausschussrisiko.

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Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheidet sich warmgewalztes von kaltgewalztem Blech?

In der Prozesstemperatur und ihren Folgen. Das Warmwalzen erfolgt oberhalb der Rekristallisationstemperatur und ergibt ein Erzeugnis mit weiteren Toleranzen und einer von Zunder bedeckten Oberfläche. Das Kaltwalzen erfolgt bei Umgebungstemperatur und ergibt engere Toleranzen, bessere Ebenheit und eine glatte Oberfläche, auf Kosten zusätzlicher Arbeitsschritte.

Welches Blech hat engere Dickentoleranzen?

Kaltgewalztes Blech. Bei einer Dicke von 2 mm und einer Breite bis 1200 mm beträgt die Toleranz ±0,10 mm gegenüber ±0,17 mm bei warmgewalztem Erzeugnis, ist also um rund 40 Prozent enger.

Bis zu welcher Dicke wird kaltgewalztes Blech hergestellt?

Die Norm EN 10130 umfasst den Bereich von 0,3 bis 3,0 mm. Oberhalb dieser Dicke werden warmgewalzte Erzeugnisse eingesetzt, walzroh oder gebeizt.

Was bedeuten die Güten DC01 und DC04?

Es sind Güten für das Kaltumformen nach EN 10130. DC01 ist für Biegen und einfaches Umformen bestimmt, DC04 für das Tiefziehen, mit höheren Anforderungen an die Dehnung sowie an die Kennwerte r90 und n90.

Wann lohnt sich gebeiztes und geöltes Blech?

Wenn eine saubere, zunderfreie Oberfläche bei einer Dicke außerhalb des Bereichs kaltgewalzter Erzeugnisse benötigt wird, insbesondere beim Kaltumformen, automatisierten Schweißen und Lackieren.

Wie groß ist die Preisdifferenz zwischen diesen Erzeugnissen?

Im September 2026 zeigten die europäischen Notierungen eine Differenz von etwa 120-130 EUR pro Tonne zugunsten des warmgewalzten Erzeugnisses. Sie entspricht den Kosten der zusätzlichen technologischen Arbeitsschritte.

Quellen

  1. EN 10130, Kaltgewalzte Flacherzeugnisse aus weichen Stählen zum Kaltumformen
  2. EN 10111, Kontinuierlich warmgewalztes Band und Blech aus weichen Stählen zum Kaltumformen
  3. EN 10025-2, Warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen - unlegierte Baustähle
  4. EN 10051 und EN 10131, Grenzabmaße und Formtoleranzen von Flacherzeugnissen
  5. ArcelorMittal, Katalog B10, Steels for cold forming, sowie Katalog A10 nach EN 10111
  6. Kallanish, Notierungen für Flacherzeugnisse in Europa, September 2026

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